Von reinen Speisen in der Bibel

Viele Christen sind in Bezug auf ihre Ernährung der Meinung, dass es für Gott keinen Unterschied macht, was wir essen. Doch hat Gott wirklich alle lebende Wesen zur Speise gegeben? Mit dieser Frage werden wir uns im Weiteren beschäftigten. In 3. Mose 11 gibt Gott seinem Volk die Speisegebote, bei denen er sehr detailliert beschreibt, was gegessen werden darf und was nicht. Es folgen einige Auszüge aus diesem Kapitel.

2 Dies sind die Tiere, die ihr von allen Tieren, die auf der Erde sind, essen dürft! 3 Alles, was ganz gespaltene Hufe hat und zwar wirklich aufgespaltene Hufe und was wiederkäut unter den Tieren, das dürft ihr essen.

9 Dies dürft ihr essen von allem, was im Wasser ist: Alles, was Flossen und Schuppen hat im Wasser, in den Meeren und in den Flüssen, das dürft ihr essen.

44 Denn ich bin der Herr, euer Gott. So heiligt euch und seid heilig, denn ich bin heilig! Und ihr sollt euch selbst nicht unrein machen durch all das Kleingetier, das sich auf der Erde regt. 45 Denn ich bin der Herr, der euch aus dem Land Ägypten heraufgeführt hat, um euer Gott zu sein: so sollt ihr heilig sein, denn ich bin heilig!


Im Wesentlichen geht es in diesem Kapitel um Gottes konkrete Vorstellungen, welche Speisen rein und welche unrein sind. Allein in diesem Abschnitt sagt Gott 9 Mal (!), dass das Essen von unreinen Speisen ein Gräuel für ihn sei. Der Begriff Gräuel ist nicht einfach daher gesagt, sondern trägt ein strenges Urteil Gottes über die Sünden, die in dem Zusammenhang mit diesem Begriff stehen. Allein das reicht als Grund aus, um sich diesem Thema zu widmen und zu prüfen, ob wir nicht evtl. eine schlimme Sünde gegen Gott begehen, wenn wir seine Gebote unbeachtet lassen. Sollte Gott heute eine Sache tolerieren, die er im Alten Testament abscheulich fand? Glauben wir wirklich, dass sich Gottes Haltung dazu geändert hat? Oder haben wir Gottes Gebote vielleicht deshalb aufgehoben, weil wir unsere Lebensweise nicht ändern wollen und bei der Auslegung der Heiligen Schrift fälschlicherweise Dinge hineinlesen, die nur zur Stützung unseres Bibelverständnisses sind? Wir sollten unsere Ansichten beiseitelegen, um die Bibelstellen möglichst unvoreingenommen zu untersuchen. Was steht dort und was nicht? Welches Verständnis hatten die Juden, die die Schreiber des NT waren? Leider sind wir durch die bibelfeindliche Lehre der katholischen Kirche so beeinflusst, dass wir einen Großteil davon noch nicht abgeschüttelt haben. Nicht nur ihre Anfänge, sondern ihre ganze Geschichte war judenfeindlich, was leider in vielen Fällen zu völlig falschen Auslegungen und Lehren führte. Lasst uns prüfen, wie es um die Sache mit den reinen und unreinen Speisen steht.

Viele behaupten, die Definition von reinen und unreinen Tieren kam erst bei der Gesetzgebung, was jedoch leicht widerlegt werden kann. Wir lesen bereits von Noah, dass er ganz genau wusste, welche Tiere rein und welche nicht rein waren: Von allem reinen Vieh sollst du je sieben zu dir nehmen, ein Männchen und sein Weibchen; und von dem Vieh, das nicht rein ist, je zwei, ein Männchen und sein Weibchen. (1. Mose 7,2). Ein Schwein ist nicht erst bei der Gesetzgebung am Sinai unrein geworden, sondern es war schon seit jeher unrein. Das gleiche gilt für alle Tiere: sie haben zur Zeit der Gesetzgebung keine Änderung erfahren, sondern hatten ihre Bestimmung bereits bei ihrer Erschaffung erhalten.

Doch spannender ist die Frage der Verbindlichkeit für den Gläubigen heute, sprich, ob das Erlösungswerk Jeschuas überhaupt einen Bezug auf die Speisegebote hatte, deren Missachtung Jahwe mit Gräuel beschrieb. Hat sich im Rahmen des neuen Bundes die Natur der Tiere verändert? Ganz sicher nicht. Oder wird ein unreines Tier durch ein Gebet rein, nur weil ein Gläubiger diese Speise segnet und über sie betet? Auch das ist absurd, da Gott es ansonsten für die Israeliten genauso regeln könnte. Ein Gläubiger braucht keine geheimnisvolle Gebetsformel, sondern einen fürsorglichen Vater, der ihn vor falschen Speisen warnt.

Gab es eine Änderung im Gesetz oder meinte Jeschua vielleicht tatsächlich das, was er sagte? Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist (Mt 5,18). Man sollte über diesen Vers nachdenken, anstatt durch moderne theologische Auslegungen den Inhalt dieses Verses abzusprechen. Wir machen es uns oft zu leicht und vermeiden es in die Tiefe zu gehen.

Grundsätzlich müssen wir bei allen Geboten Gottes davon ausgehen, dass sie für den Gläubigen heute verbindlich sind. Wir dürfen ein Gebot erst dann verwerfen, wenn die Schrift selbst es tut. Andernfalls wäre es ein Verstoß gegenüber der Lehre Jeschuas.

Bevor wir die Schrift auf diese Frage hin untersuchen, soll an dieser Stelle noch auf eine Untersuchung von Dr. David Macht von der John Hopkins Universität aus dem Jahre 1953 hingewiesen werden. Es war eine Untersuchung hinsichtlich der reinen und unreinen Tiere der Bibel, um herauszufinden, ob hinter den Speisegebote was dran ist oder ob diese willkürlich gewählt wurden. Die Untersuchung bestätigte die Zuverlässigkeit des Wortes Gottes und stimmte damit überein, dass alle unreinen Speisen als gesundheitsschädlich und teils als „giftig“ einzustufen sind. Viele dieser Tiere haben Parasiten, die den Menschen krank machen. Zum einen liegt es daran, dass die sogenannten „unreinen Tiere“ entweder häufig verwesendes Fleisch essen, oder auch oft die schwachen und kranken Tiere der Herden fressen. Im Gegenzug dazu stufte Dr. Macht alle reinen Tiere als ungefährlich ein, da diese keine gefährlichen oder schädlichen Bestandteile aufwiesen. Von den 54 „reinen“ Fischarten, die Schuppen und Flossen haben, waren alle ungiftig. Die unreinen Fische hingegen wiesen für den Menschen giftige Bestandteile in den Muskelextrakten auf, die dem Menschen großen Schaden zufügen und nicht selten zu schweren Krankheiten und zum Tode führen.

Natürlich wirken sich diese Giftstoffe negativ auf den Menschen aus, da sie die Zellen angreifen und in die Blutlaufbahn gelangen. Leider werden sie nicht alle ausgespült, was dazu führt dass sie sich stattdessen in den Schwachstellen des Körpers einnisten. Mit der Zeit werden die Organe so stark geschädigt, dass der Mensch krank wird und unter diesen Krankheiten leidet. Gott wollte Israel jedoch von den Krankheiten der Heidenvölker schützen, wenn sie seine Gebote befolgen würden.

Man konnte außerdem herausfinden, dass die meisten Grippeviren durch Schweine übertragen werden. Auch Würmer, die im Schweinefleisch sind, werden lt. Untersuchungen beim Kochen nicht immer abgetötet, selbst wenn das Fleisch lange gekocht wurde. Somit gelangen diese Würmer in den menschlichen Körper und greifen diesen an. Des Weiteren kann unser Körper das Schweinefleisch wegen seiner besonderen Struktur nicht effektiv in Energie umwandeln, sodass diese Schweinefettzellen abgelagert werden müssen – und anstatt einen Nutzen nur Schaden bringen. Sie sind dem Menschen nicht zur Speise gegeben und sollten mit gottgegebener Speise ersetzt werden.

Betrachten wir eine Schriftstelle des Apostels Petrus: Als Kinder des Gehorsams passt euch nicht den Begierden an, die früher in eurer Unwissenheit herrschten, sondern wie der, welcher euch berufen hat, heilig ist, seid auch ihr im ganzen Wandel heilig! Denn es steht geschrieben: Seid heilig, denn ich bin heilig! (1. Petr 1,14-16).

Diese Stelle ist vor allem deshalb interessant, da Petrus einen Auszug aus 3. Mose wiedergibt, den er nach wie vor als relevant betrachtet. Die ganze Schrift war gültig, sie war zu dieser Zeit die einzige Basis, da das NT noch nicht existierte und niemals den Schriften, der Tenach, widersprach. Wenn Petrus das Zitat nutzt, das im Kontext von reinen und unreinen Speisen steht, sagt er damit nicht vielleicht, dass alles andere aus dem Abschnitt ebenfalls relevant ist? Petrus hat sicherlich nicht wie unsereiner Schriftstellen aus dem AT willkürlich zitiert, je nachdem, welche Argumente nötig waren. Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit. (2. Tim 3,16). Alle Schrift ist nützlich und unter der Schrift verstand man zu dem Zeitpunkt das sogenannte Alte Testament. D.h. auf den Vers aus 1. Petrus bezogen: „Heilig in seinem ganzen Wandel“ zu sein bedeutet, wenn Heiligkeit entsprechend dem Gesetz - der Thora - definiert wird. Ein heiliges Leben vor Gott war in der Thora unbedingt mit den von Gott gegebenen Speisegeboten verknüpft.

Trotzdem werden gerne Bibelverse genutzt – und das habe ich in der Vergangenheit leider aus Unwissenheit ebenfalls getan – die die Speisegebote scheinbar für „alttestamentlich“, also veraltet, erklärt haben. Diese Bibelstellen sollen im Folgenden untersucht werden.

Matthäus 15,10-20
Und er rief die Volksmenge herbei und sprach zu ihnen: Hört und versteht! Nicht was in den Mund hineingeht, macht den Menschen gemein*, sondern was aus dem Mund herausgeht, das macht den Menschen gemein. Dann traten die Jünger herzu und sprachen zu ihm:  Weißt du, dass die Pharisäer Anstoß genommen haben, als sie das Wort hörten? Er aber antwortete und sprach: Jede Pflanze, die mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, wird ausgerissen werden. Lasst sie! Sie sind blinde Leiter der Blinden. Wenn aber ein Blinder einen Blinden leitet, so werden beide in eine Grube fallen. Petrus aber antwortete und sprach zu ihm: Deute uns dieses Gleichnis! Er aber sprach: Seid auch ihr nochunverständig? Begreift ihr nicht, dass alles, was in den Mund hineingeht, in den Bauch geht und in den Abort ausgeworfen wird? Was aber aus dem Mund herausgeht, kommt aus dem Herzen hervor, und das macht den Menschen gemein. Denn aus dem Herzen kommen hervor böse Gedanken: Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugnisse, Lästerungen; diese Dinge sind es, die den Menschen gemein machen! Aber mit ungewaschenen Händen zu essen macht den Menschen nicht gemein.

Manche behaupten, dass die Speisegebote mit den oben genannten Versen aufgehoben seien. Doch aufgepasst: Hier wird nirgendwo etwas von reinen und unreinen Tieren erwähnt. Auch wird nicht erwähnt, dass jemand ein unreines Tier gegessen hat. Jeschua will unter anderem eine Sache aufzeigen: Man darf mit ungewaschenen Händen essen! Auch wenn man sich besser in den meisten Fällen die Hände waschen sollte, verstößt man nicht gegen das Gesetz Gottes, wenn man es nicht tut. Deshalb dürfen wir nicht mehr in den Text hineinlegen, als was dort steht. Die Pharisäer haben menschengemachte Gebote auf die gleiche Ebene wie das Wortes Gottes gestellt, was sie zu der Annahme führte, dass reine Speisen durch unreine Hände zur unreinen Speisen wurden. Das war ein falsches Verständnis und musste von Jeschua korrigiert werden.

Wir können uns vorstellen, was passieren würde, wenn Jeschua gegen die Thora (das Gesetz) lehren würde. Die Pharisäer würden ihre Kleider zerreißen, Jeschua vor den Sanhedrin führen oder ihn gleich auf der Stelle steinigen. Aber sie wussten besser als die Christen heute, dass Jeschua über eine andere Sache sprach.

Apostelgeschichte 10,9-17; 28; 11,18
Am folgenden Tag aber, während jene reisten und sich der Stadt näherten, stieg Petrus um die sechste Stunde auf das Dach, um zu beten. Er wurde aber hungrig und verlangte zu essen. Während sie ihm aber zubereiteten, kam eine Verzückung über ihn. Und er sieht den Himmel geöffnet und ein Gefäß, gleich einem großen, leinenen Tuch, herabkommen, an vier Zipfeln auf die Erde herabgelassen; darin waren allerlei vierfüßige und kriechende Tiere der Erde und Vögel des Himmels. Und eine Stimme erging an ihn: Steh auf, Petrus, schlachte und iss! Petrus aber sprach: Keineswegs, Herr! Denn niemals habe ich irgendetwas Gemeines oder Unreines gegessen. Und wieder erging eine Stimme zum zweiten Mal an ihn: Was Gott gereinigt hat (koinos), mach du nicht gemein (akathartos)! Dies aber geschah dreimal; und das Gefäß wurde sogleich hinaufgenommen in den Himmel. Als aber Petrus bei sich selbst in Verlegenheit war, was wohl diese Erscheinung bedeuten möchte, die er gesehen hatte, siehe, da standen die Männer, die von Kornelius gesandt waren und Simons Haus erfragt hatten, vor dem Tor; […]
Und er sprach zu ihnen: Ihr wisst, wie unerlaubt es für einen jüdischen Mann ist, sich einem Fremdling anzuschließen oder zu ihm zu kommen; und mir hat Gott gezeigt, keinen Menschen gemein oder unrein zu nennen.
[…] Als sie aber dies gehört hatten, beruhigten sie sich und verherrlichten Gott und sagten: Dann hat Gott also auch den Nationen die Buße gegeben zum Leben!

Was bezweckte Gott mit der Vision, die er Petrus zeigte? Wollte Gott damit etwa die Speisegebote aufheben? Wahrscheinlich nicht. Wir können zunächst festhalten, dass Petrus bis zu diesem Zeitpunkt noch nie etwas Gemeines oder Unreines gegessen hatte. Daraus können wir schließen, dass Jeschua so etwas weder gelehrt noch mit den Jüngern praktiziert hat. Des Weiteren können wir feststellen, dass Petrus selbst bei dieser Vision nichts aß. Auch lesen wir keine Bibelstelle, wo ein Nachfolger Jeschuas unreine Speise zu sich nimmt. Die meisten Christen verstehen gleich, was dieses Gesicht bedeutet, nämlich die Aufhebung der Speisegebote. Petrus hat jedoch noch nach dem Gesicht bzw. der Vision darüber nachgedacht, was es bedeuten könnte und fand die Antwort erst später: Gott hat ihm dadurch gezeigt, dass er keinen Menschen gemein oder unrein nennen soll. Nirgendwo wird erwähnt, dass Gott ihm gezeigt hat, dass er unreine Tiere verspeisen durfte. Petrus wäre nicht zu den Heiden gegangen, wenn Gott ihm diese Vision nicht gegeben hätte. Er hatte große Bedenken, und so zog er ohne Bedenken hinauf und war sich überzeugt, dass das Heil auch denen aus den Nationen gilt. Wenn man diese Sachen nicht berücksichtigt, kommt man auf ein falsches Ergebnis. Dann könnte man auch andere Schriftstellen schnell missdeuten wie z.B. die Opferung Isaaks und sagen; Gott lässt die Opferung von Menschen zu! Aber im Gesamtkontext der Bibel merken wir, dass das eine Sünde ist, auch wenn Gott es in dem Fall von Abraham gefordert hat, um damit eine bestimmte Sache zu zeigen und ihn zu prüfen. Petrus war ein Jude, der niemals freiwillig in das Haus eines Heiden gehen würde. Allerdings wollte Gott, dass er genau das tut und darauf musste er vorbereitet werden. Er sagte: „doch mir hat Gott gezeigt, dass ich keinen Menschen gemein oder unrein nennen soll.“ Genau das hat Gott ihm gezeigt, aber nicht das Essen von unreinen Tieren. So erzählte er es auch den Aposteln weiter und so wurde es von ihnen auch verstanden. Gäbe es tatsächlich eine Änderung im Gesetz Gottes, würde Petrus das den Anderen sicherlich mitteilen. Aber er hat es nicht getan, weil er im Gegensatz zu uns verstanden hat, wozu diese Vision gegeben war. Es gab Im Judentum des ersten Jahrhunderts ein mündliches Gesetz, dass einem Juden die Unterhaltung mit einem Heiden untersagte. Er durfte den unreinen Heiden nicht besuchen und ihm nicht einmal die Hände schütteln. Dass das nicht Gottes Willen entsprach musste Gott zuerst Petrus zeigen.

Röm 14,2-21
Einer glaubt, er dürfe alles essen; der Schwache aber isst Gemüse. Wer isst, verachte den nicht, der nicht isst; und wer nicht isst, richte den nicht, der isst! Denn Gott hat ihn aufgenommen.“[…] 14 Ich weiß und bin überzeugt in dem Herrn Jesus, dass nichts an sich gemein (koinos) ist; nur dem, der etwas als gemein ansieht, dem ist es unrein. Denn wenn dein Bruder wegen einer Speise betrübt wird, so wandelst du nicht mehr nach der Liebe. Verdirb nicht mit deiner Speise den, für den Christus gestorben ist! Lasst nun euer Gut nicht verlästert werden! Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist. Denn wer in diesem dem Christus dient, ist Gott wohlgefällig und den Menschen bewährt. So lasst uns nun dem nach streben, was dem Frieden, und dem, was der gegenseitigen Erbauung dient. Zerstöre nicht einer Speise wegen das Werk Gottes! Alles zwar ist rein, aber es ist böse für den Menschen, der mit Anstoß isst. Es ist gut, kein Fleisch zu essen noch Wein zu trinken noch etwas zu tun, woran dein Bruder sich stößt.

Wir sehen auch im Korintherbrief ein umstrittenes Thema der Christen im ersten Jahrhundert. Im achten Kapitel schreibt Paulus über das Götzenopferfleisch, das an für sich nicht verderblich ist. Manche machten sich darüber ein Gewissen, andere nicht. Die einen aßen alles, andere hingegen sicherten sich ab und verzichteten auf Fleisch, um nicht versehentlich Götzopferfleisch zu essen. Deshalb aß diese Gruppe nur Gemüse. Aus Gottes Sicht war es jedoch nicht verwerflich dieses Fleisch zu essen, deshalb durfte ein Bruder nicht den Anderen richten.

Nehmen wir mal an, dass du für eine Woche in den Urlaub fährst und dein Freund diese Woche dein Haus bewohnt. Beim Aushändigen des Schlüssels sagst du ihm noch, dass er sich von allem bedienen darf: „Du darfst alles essen!“ Musst du ihm erklären, dass die Milchpackung und der Teller nicht gemeint sind? Oder die Spinne, die gerade die Wand entlang klettert? Sicher nicht, denn „alles“ versteht sich natürlich im Zusammenhang mit dem Essbaren. Musste Paulus die unreinen Tiere extra erwähnen? Natürlich nicht, denn in dieser Auseinandersetzung geht es nicht um unreine Tiere, sondern um Götzenopferfleisch. Die ersten Gläubigen wussten sehr genau, dass die unreinen Speisen nicht auf ihrem Speiseplan standen und somit nicht zur Debatte standen. Es geht um Fleisch oder kein Fleisch, und nicht um reines oder unreines Fleisch. Den Korinthern war in Bezug auf Götzenopferfleisch nicht alles klar, so dass Paulus diese Parteien versöhnen musste.

1. Korinther 10,23-33
Alles ist erlaubt, aber nicht alles ist nützlich; alles ist erlaubt, aber nicht alles erbaut. Niemand suche das Seine, sondern das des anderen. Alles, was auf dem Fleischmarkt verkauft wird, esst, ohne es um des Gewissens willen zu untersuchen! Denn »die Erde ist des HERRN und ihre Fülle«. (Ps 24,1) Wenn jemand von den Ungläubigen euch einlädt, und ihr wollt hingehen, so esst alles, was euch vorgesetzt wird, ohne es um des Gewissens willen zu untersuchen. Wenn aber jemand zu euch sagt: Das ist Götzenopferfleisch, so esst nicht um jenes willen, der es anzeigt, und um des Gewissens willen! Ich meine aber nicht das eigene Gewissen, sondern das des anderen. Denn warum wird meine Freiheit von einem anderen Gewissen beurteilt? Wenn ich mit Danksagung teilnehme, warum werde ich geschmäht für das, wofür ich danksage? Ob ihr nun esst oder trinkt oder sonst etwas tut, tut alles zur Ehre Gottes! Seid unanstößig, sowohl für Juden als auch für Griechen als auch für die Gemeinde Gottes, wie auch ich in allen Dingen allen zu Gefallen strebe, dadurch, dass ich nicht meinen Vorteil suche, sondern den der vielen, dass sie gerettet werden.

Auch hier ist das Thema das Götzenopferfleisch. Es war zwar erlaubt, das Götzenopferfleisch zu essen, aber nur in Beachtung des anderen Bruders. Deshalb sollte man in bestimmten Fällen auf dieses Recht verzichten.

1. Tim 4,1-5
Der Geist aber sagt ausdrücklich, dass in späteren Zeiten manche vom Glauben abfallen werden, indem sie auf betrügerische Geister und Lehren von Dämonen achten, durch die Heuchelei von Lügenrednern, die in ihrem eigenen Gewissen gebrandmarkt sind, die verbieten zu heiraten und gebieten sich von Speisen zu enthalten, die Gott geschaffen hat zur Annahme mit Danksagung für die, welche glauben und die Wahrheit erkennen. Denn jedes Geschöpf Gottes ist gut und nichts verwerflich, wenn es mit Danksagung genommen wird; denn es wird geheiligt durch Gottes Wort und durchs Gebet.

Es gibt Leute, die heucheln und Lügen verbreiten, sie verbieten zu heiraten und bestimmte Speisen zu genießen, die Gott geschaffen hat. Aber die Gebote von 3. Mose 11 sind nicht von Menschen, sondern von Gott. Denken wir daran: Zu Speise gehört nicht die Verpackung, der Teller oder die Spinne. Die Speise ist bei den Gläubigen klar definiert, und das sind die Speisen, die Gott als rein bezeichnet. Stellen wir uns mal vor: Du bist ein Gläubiger und kennst das Neue Testament nicht, weil es noch nicht mal geschrieben wurde. Es existieren bisher nur die Heiligen Schriften, die nach wie vor nützlich zur Lehre sind. Der Schreiber ist ein Jude, ein jüdischer Apostel des 1. Jahrhunderts und weiß genau, was aus Gottes Sicht Speise ist. Und das sind keine Kamele, Kaninchen oder Hummer, denn Gott hat uns diese Tiere nicht zur Nahrung gegeben. Was würdest du aus diesem Hintergrund heraus verstehen? Betrachten wir den letzten Vers: „denn es wird geheiligt durch Gottes Wort und durchs Gebet.“ Speise muss also durch das Wort Gottes geheiligt werden. Wieso durch das Wort Gottes, denn was hat das Wort Gottes mit Speise zu tun? Die Antwort ist 3. Mose 11, denn wenn Speise nicht durch das Wort Gottes geheiligt werden kann, ist es keine Speise und darf nicht gegessen werden. Deshalb muss jede Speise durch das Wort Gottes geheiligt werden. Der Punkt dieser Bibelstelle ist nicht, dass du einfach über einen giftigen Laubfrosch betest und er auf magische Weise ungiftig wird und du ihn essen kannst ohne Schaden davon zu tragen. Hauptsache, du dankst dem Herrn für diesen giftigen Laubfrosch. Wir können keine giftigen Laubfrösche oder giftigen Schlangen essen, denn sie schaden uns. Sie sind unrein. Sie sind nämlich nicht durch Gottes Wort geheiligt.

Ich möchte jeden Zuhörer ermutigen, zu Gottes Ehre und zum Segen für sich selbst, Gott ernst zu nehmen und darauf zu vertrauen, dass seine Gebote gut sind. Wenn wir das verstehen, dann werden wir ihm für das Gesetz danken und mit dem Psalmisten ausrufen:

Psalm 19,8
Das Gesetz des HERRN ist vollkommen und erquickt die Seele; das Zeugnis des HERRN ist zuverlässig und macht den Einfältigen weise.

Wenn wir es nicht verstehen, werden wir jede Möglichkeit nutzen, um Bibelstellen umzudeuten und Gott daran hindern an uns zu arbeiten. Dann werden wir das Gesetz mit dem Messias mitkreuzigen, obwohl das nie Gottes Absicht war. Der neue Bund beschreibt das Gesetz Gottes in unserem Herzen und nicht seine Verwerfung. Er hat den Schuldbrief und den Fluch des Gesetzes an das Kreuz geheftet, aber nicht sein vollkommenes Gesetz. Wieso auch, wenn es gut, gerecht, heilig und vollkommen ist.

Heben wir denn das Gesetz auf durch den Glauben? Auf keinen Fall! Sondern wir bestätigen das Gesetz. 
Römer 3,31


August 2018, Andreas Hübner 

* Es gibt einen Unterschied zwischen dem Griechischen akathartos, was unrein bedeutet und dem Griechischen koinos, was mit gemein übersetzt werden kann. Akathartos ist unrein im Sinne von einem Verstoß gegen die Thora, während koinos gemein im Sinne von „nach Allgemeinen/Gesellschaftlichen Normen nicht korrekt“ heißt und in diesem Fall gegen die Überlieferungen verstieß, jedoch nicht gegen die Thora. Siehe Apg 10,14+28; hier werden beide Begriffe verwendet und unterschieden. Leider wird dieser Unterschied in vielen Übersetzungen nur dann berücksichtigt, wenn beide Begriffe gleichzeitig erwähnt werden. Ansonsten wird koinos fälschlicherweise auch mit unrein übersetzt, obwohl es gemein heißen müsste.